HISTORIE

historische Dachpappenfabrik von Binné und Sohn

die historische Dachpappenfabrik von Binné und Sohn

Binné & Sohn: 140 Jahre durch die Zeit

Ein Herbsttag im Jahr 1945. Im stark zerstörten Deutschland herrscht ein großer Bedarf an Dachpappen. Gleichzeitig fehlen die Rohstoffe. Umso kostbarer sind die Rohfilzpappen auf dem Lastzug, der auf dem Werksgelände von Binné & Sohn einrollt.

Zwei Stunden später steht der Lastzug in hellen Flammen. Das Feuer greift auf die Lagergebäude und die angrenzende Teerpappenfabrik über, die Gebäude brennen nieder.

Es ist bereits das dritte Großfeuer innerhalb von 20 Jahren. Und jetzt? Noch einmal aufstehen?

Spulen wir ein paar Jahrzehnte zurück.

Die Anfänge: Von den Kolonialwaren zur Dachpappe

Im Jahr 1879 eröffnete Anton Binné zusammen mit seinem Vater Ernst Ludwig Binné eine Drogerie- und Kolonialwarenhandlung in Pinneberg.

Da stand Anton Binné nun hinter der Ladentheke des gut laufenden Krämerladens und hörte doch nicht auf zu träumen. Er hielt Augen und Ohren nach neuen Geschäftsideen offen und kam so auf Dachpappe, damals noch ein verhältnismäßig neues Produkt. Eine Dachpappenfabrik – warum nicht? 1894 begann der Aufbau auf einem Werksgelände in Pinneberg, bald unterstützt durch Antons Sohn Hugo Binné.

Trotz der harten Konkurrenz war um 1910 aus Binné & Sohn schon ein recht ansehnlicher Betrieb geworden. Allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, nahm die Firma als eine der ersten Betriebe Bitumendachpappen ins Produktsortiment auf, die den Teer durch das deutlich pflegeleichtere Bitumen ersetzten.

Entschlossenheit in harten Zeiten

Doch die Binnés wurden jäh ausgebremst durch den Ersten Weltkrieg. Es kam zur Stilllegung der Fabrik.

Die letzten finanziellen Mittel der Firma gingen bei Kriegsende durch die Inflation verloren. Hugo Binné ließ sich jedoch nicht beirren. Mit ungebrochenem Mut und mehreren Bankkrediten gelang es ihm, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Die Folgejahre wurden zu den sicher schwersten in der Unternehmensgeschichte. Die gerade erst neu gebaute Bitumenpappenanlage erwies sich als fast unbrauchbar, sodass zahlreiche Umbauten erforderlich wurden. Damit nicht genug: Ein Großfeuer zerstörte 1927 die Teerpappenfabrik. Schließlich geriet die Firma – so wie ganz Deutschland – unter den eisigen Griff der Wirtschaftskrise. 1932 kam der Betrieb fast zum Erliegen. Doch Hugo Binné kämpfte weiter.

Steigende Nachfrage, neue Rückschläge

1933, Machtübernahme der Nationalsozialisten – es brachen dunkle Zeiten an. Die Nachfrage nach Dachpappe wurde derweil immer größer. Binné & Sohn konnte sich einen beachtlichen Marktanteil sichern. Zur gleichen Zeit traten die beiden Söhne von Hugo Binné dem Unternehmen bei: Werner Binné und Dr. Hugo Binné.

Ein weiteres Großfeuer zerstörte 1936 die gesamten Produktionsanlagen. Doch auch dieses Feuer konnte dem Familienunternehmen nicht das Genick brechen. Mit vereinten Kräften schaffte man bereits im Sommer 1937 die Fertigstellung einer neuen Fabrikationshalle mit modernen Maschinenanlagen.

Die verheerenden Jahre des Zweiten Weltkrieges überstand das Unternehmen verhältnismäßig gut.

1945 dann das dritte Großfeuer. Noch einmal aufstehen? Wenn man sich die bisherige Geschichte von Binné & Sohn anschaut, ist die Antwort klar. Aufgeben war keine Option.

Immer voran – mit Mut und Ideen

In den Folgejahren hieß es, mit der großen Rohstoffknappheit fertigzuwerden. Mit viel Einfallsreichtum entwickelten Werner und Hugo Binné Ersatzprodukte, um dem steigenden Bedarf an Dachpappe gerecht zu werden. Mit Erfolg: Die Produktion lief auf Hochtouren.

In den 50er Jahren wurde durch die Einführung von Glasvlies als neuer Trägerstoff das Ende der Dachpappen eingeläutet. 1968 wurde die Teerdestillation stillgelegt und auf den Maschinen wurden nur noch Bitumendachbahnen gefertigt.

Neue Materialien, neue Ufer

Mit Bernd, Horst und Klaus Binné gab es in den Jahren 1958 bis 1968 erneut einen Generationswechsel. Zu den Meilensteinen der sechziger bis achtziger Jahre zählt die Errichtung einer Polystyrol-Hartschaumfabrik für Dachdämmelemente. Mit der Produktion von Schweißbahnen, dann von Abdichtungsbahnen aus ECB und FPO ging man weiter mit der Zeit.

Seit Anfang der neunziger Jahre sind wir nun bei der sechsten Generation angelangt. Thilo und Michael Binné, die heutigen Geschäftsführer, schreiben die Tradition des Familienunternehmens fort. Ein Erweiterungsbau des Verwaltungsgebäudes und eine Umstrukturierung unseres Fuhrparks waren wichtige Maßnahmen. Auch einen weiteren Brand galt es zu verkraften.

Die immer größer werdende Nachfrage nach FPO-Bahnen führte schließlich zur Gründung der POLYFIN AG im Jahr 2004. 2015 wurde in der Nähe von Heidelberg ein modernes Werk zur Produktion hochwertiger FPO-Bahnen errichtet.

Bewegt in die Zukunft

Eine bewegte Geschichte, zweifellos. Dass sie so lange schon andauert, ist zwei Umständen geschuldet: der Offenheit für neue Trends und Materialien – und dem geradezu trotzigen Willen, bei Rückschlägen immer wieder aufzustehen. Dieses Erbe treten wir, die heutige Generation, gerne an.